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VLIELAND, PERLE DES WATTENMEERS


Ungefähr im dreizehnten Jahrhundert erhielt Vlieland seine heutige Form, als bei einem heftigen Sturm das Nordseewasser in die Flußmündungen zwischen den Inseln eindrang. Vlieland ist mit rund elfhundert Einwohnern eine der kleineren Inseln und bietet vor allem Ruhe und Naturschönheiten. So trifft man hier auf Hunderte von Vogelarten, worunter Zugvögel, wie die Brandseeschwalbe und Brutvögel (Eiderente). Außer den charakteristischen Dünengebieten und Salzwiesen besitzt die Insel nicht weniger als dreihundert Hektar Nadelwald. Diese Tatsache an sich ist etwas besonderes, da Vlieland um die Jahrhundertwende noch fast baumlos war. Damals waren Wanderdünen ein großes Hindernis und man probierte anfangs dem Problem mit der Anpflanzung von Strandhafer und dem Anbringen von unter anderem Reedschirmen Herr zu werden. Das war jedoch ein Kreislauf ohne Ende. Kurz darauf, im Jahre 1908, begann man deshalb mit der großangelegten Anpflanzung von Bäumen, um den Flugsand zu stoppen. Trotz vieler Probleme, wie nährstoffarmem Boden und salzigem Seewind gelang das Vorhaben und erfüllt bis heute diesen Zweck. Gleichzeitig ist der Wald für Vlieland natürlich ein Stück Landschaftsgestaltung und hat zusätzlich einen Erholungsfunktion bekommen. Man hatte damals jedoch nicht berücksichtigt, daß Nadelbäume viel mehr Wasser als Laubbäume verbrauchen, eine Tatsache, die den kostbaren Süßwasservorrat der Insel langsam aber sicher in Gefahr zu bringen droht. Es wurde deshalb auch beschlossen, einen Teil des Nadelwaldes durch Laubwald zu ersetzen. Vor allem in Dorfnähe werden Teile des Waldes gelichtet. Hierdurch dringt mehr Licht auf den Boden und können sich Laubbäume auf natürlichem Wege entwickeln.

Man kann nach der Ankunft auf der Insel eigentlich am besten zuerst dem "Noordwester" auf der "Dorpsstraat" gegenüber dem Gemeindehaus einen Besuch abstatten. Das ist ein Informationszentrum, das von Anke Bruin und einigen freiwilligen Helfern geführt wird, die Ihnen gern alles über die Geschichte der Insel, die Natur und die verschiedenen Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen erzählen. Im "Noordwester" wurde außerdem auf dem Dachboden eine Ausstellung der verschiedensten Gegenstände, die oft bei stürmischen Nordwestwind auf der Insel angespült werden, eingerichtet. Auf diesem "Jutterszolder" findet man auch einen Teil, wo Funde aus Schiffswracks in der Nordsee nördlich von Vlieland ausgestellt sind. In der unteren Etage gibt es ein großes Meeresaquarium, wo man ausgiebig betrachten kann, welche Fischarten und Krabben alle in der Nordsee und im Wattenmeer leben. Ferner erhält man allerlei Informationen über die Arbeit der staatlichen Forstverwaltung, des staatlichen Wasserwirtschaftsamtes und des Verteidigungswesens. Es gibt auch noch eine kleine Bibliothek mit verschiedenem Informationsmaterial über Vlieland. Außerdem werden diverse Exkursionen organisiert, wie beispielsweise eine zweistündige Führung durch das Naturgebiet "De Kroon's Polders", Wattausflüge und Exkursionen in das Dünengebiet im Norden von "De Nieuwe Kooi". Ferner gibt es ein Team von Animateuren, daß Freizeitgestaltungs- und Theaterprogramme auf dem Campingplatz "Stortemelk" organisiert. An einigen Tagen kann man das Militärübungsgelände "De Vliehors", das an den Wochenenden frei zugänglich ist, mit dem Armeejeep erkunden.

In bezug auf Camping- und Übernachtungsmöglichkeiten gibt es ebenfalls genügend Auswahl. Der echte Naturfreund kann u.a. auf dem Campingplatz "Stortemelk" nach Belieben sein Zelt aufschlagen, wo ein Stück Naturgebiet für ihn reserviert ist. Dort steht also der Aufenthalt ganz im Zeichen vom Genuß der Freiheit und der Natur. Eine ganz andere Möglichkeit ist ein Urlaub im "Badhotel Bruin". Schon seit mehr als fünfzig Jahren bietet man in diesem Drei-Sterne-Hotel in einem historischen Gebäude an der "Dorpsstraat" Gastlichkeit mit jedem erdenklichen Luxus, der einen angenehmen Aufenthalt garantiert. Bei einem längeren Aufenthalt können Sie aber auch ein Ferienhaus mieten. Rechtzeitiger Reservierung ist jedoch ratsam, diesbezügliche Informationen bekommen Sie selbstverständlich beim VVV-Fremdenverkehrsamt auf Vlieland.

Das einzige Dorf der Insel, Oost-Vlieland, gruppiert sich mit allen Geschäften, Lokalen und öffentlichen Einrichtungen übersichtlich um die "Dorpsstraat". Der Dorfkern versprüht mit seinen Häusern mit jugendstilartigen Fassaden und verschiedenen historischen Gebäuden, wie dem alten Rathaus, der Niederländisch Reformierten Kirche und dem "Tromp's Huys" den Charme des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. Vlieland verfügt natürlich auch über eine eigene Rettungsmannschaft, die KNRM, welche nur aus freiwilligen Mitgliedern besteht. Bei den rund 90 Einsätzen pro Jahr handelt es sich in mehr als fünfzig Prozent der Fälle um in Not geratene Wassersportler. Auch bei dieser Gruppe ist Vlieland nämlich sehr populär. Deshalb darf man im Durchgangshafen von Vlieland nur eine begrenzte Anzahl von Tagen anlegen, um auch anderen Wassersportlern die Möglichkeit zu einem Aufenthalt zu bieten.

Obwohl am weitesten vom Festland entfernt, ist Vlieland schon in anderthalb Stunden zu erreichen. Die "Oost-Vlieland" von Reederei Doeksen befördert in der Sommersaison drei Mal täglich komfortabel nach Vlieland und zurück nach Harlingen. Diese Fähre ist mit geräumigen Salons, einem Restaurant, wo Sie zu einem günstigen Preis eine ausgezeichnete Brotmahlzeit oder ein komplettes Diner bekommen, und einer Bar ausgestattet. Außerdem verkehrt nach Vlieland ein Schnellboot, die "Koegelwieck". Diese Fähre erreicht die Insel mit ihrem Wasserjet-Antrieb bei einer Geschwindigkeit von fast sechzig Kilometern pro Stunde in circa einer Dreiviertelstunde. Für weitere Auskünfte über Ablegezeiten und Preise können Sie sich jederzeit an die in Harlingen ansässige Reederei Doeksen wenden.

Vlieland garantiert Ihnen Ruhe, Bewegungsfreiheit und frische Seeluft mit vielfältigen Möglichkeiten zum Wandern und Radeln in der freien Natur. Hierbei stört Sie kein Autoverkehr, da nur die Einwohner ein Auto haben dürfen, wogegen es natürlich Busse und Taxis gibt. Ihnen wird übrigens auffallen, daß die Insel nicht alle paar Meter mit Müllcontainern verschandelt ist. Die Bewohner von Vlieland appellieren deshalb auch ausdrücklich an die Eigenverantwortlichkeit der Besucher, an einem sauberen und lebenswerten Vlieland mitzuwirken.

Zum Schluß darf ruhig noch erwähnt werden, daß Vlieland auch außerhalb der Sommersaison seinen Reiz hat. Es ist noch nicht so lange her, daß man im Winter fast gar keine Touristen sah. Jetzt sind die meisten Hotels ganzjährig geöffnet und können die Ferienhäuser das ganze Jahr über gemietet werden, da immer mehr Menschen die beinah vollkommene Besinnlichkeit der Insel zu dieser Jahreszeit wertschätzen.

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